Angehörige zu Hause pflegen

2017 wurden von den über 3,1 Millionen pflegebedürftigen Menschen 2,08 Millionen zu Hause betreut. Davon wurden 1,38 Millionen Pflegebedürftige allein durch Angehörige versorgt. Die hohe Quote dokumentiert den Wunsch aller Beteiligten nach einer familiennahen Pflege im vertrauten Umfeld.

Für die pflegenden Angehörigen ist diese Aufgabe eine hohe Belastung, die nicht nur aus der körperlichen Pflege resultiert, sondern auch aus der hohen Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen des Pflegebedürftigen. Während haushaltsnahe Tätigkeiten noch relativ einfach übernommen werden können, fehlen bei pflegerischen Anforderungen oft die nötigen Fachkenntnisse.



So ist die Fehlergefahr trotz bester Absichten hoch. Potenzielle Risiken für die zu pflegende Person sind Wundliegen (Dekubitus) und Thrombosen durch falsche Lagerung, Austrocknen (Exsikkose) durch mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Mangel- oder Fehlernährung durch eine nicht altersgerechte Ernährung. Hinzu kommen mögliche Fehleinschätzungen akuter Notsituationen.

Doch auch der Pflegende ist gefährdet. Rückenprobleme durch falsche Körperhaltung beim Tragen, seelische Belastungen und stressbedingte Erkrankungen können sich durch die Mehrfachbelastung einstellen. Oft werden Hobbys und soziale Kontakte vernachlässigt. Ein Pflegekurs gibt beiden Seiten nicht nur Sicherheit in einer schwierigen Situation, er bietet auch fachlichen und sozialen Austausch.

Kostenlose Pflegekurse für Angehörige

Seit 2002 bieten die Pflegekassen unentgeltliche Kurse für pflegende Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen auf Grundlage des § 45 SGB XI an. Die Kurse werden von beauftragten Wohlfahrtsverbänden, Institutionen, ambulanten Pflegediensten oder Vereinen durchgeführt. Ein Kurs muss mindestens 12 Einheiten von je zwei Stunden umfassen.

Dennoch werden diese Kurse selten in Anspruch genommen. Tritt der Pflegefall ein, ist die Zeit knapp. Neue Aufgaben kommen zum eigenen Leben mit all seinen Verantwortlichkeiten hinzu. Vieles muss neu organisiert werden. Eine Pflegesituation tritt jedoch selten plötzlich ein. Altern und Krankheiten sind schleichende Prozesse. Ist abzusehen, dass sich der gesundheitliche Zustand des älteren und/oder kranken Menschen in Zukunft weiter verschlechtern wird, sollten Sie bereits in dieser Zeit einen Pflegekurs absolvieren. Wer sich rechtzeitig Hilfe holt, ist besser auf die neuen Anforderungen vorbereitet.

Inhalte und Formen der Pflegekurse

Die Kurse können im häuslichen Umfeld des Pflegebedürftigen durchgeführt werden. Sie beinhalten eine Basisausbildung zur Körperpflege, Ernährung im Alter, Medikamentenvergabe, rückenschonendes Tragen und Mobilisierungsmethoden. Die unmittelbare Wohnumgebung kann auf Stolperfallen geprüft und für die Pflegeabläufe optimiert werden.

Darüber hinaus gibt es Spezialkurse zu den Krankheitsfeldern Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson und Demenz. Auch pflegerische Spezialausbildungen zur aktivierenden Pflege werden übernommen. Zu ihnen zählen z.B. Kinästhetik zur Nutzung der eigenen Bewegungsressourcen oder das Bobath-Konzept bei Lähmungen und Spastiken.

Wer wenig Zeit hat, kann einen Online-Pflegekurs absolvieren. Als erste Krankenkasse bietet die DAK einen solchen Online-Kurs, den DAK-Pfegecoach an. Er umfasst auch das Sondermodul Demenz-Coach.

Das Internetportal www.pflegen-und-leben.de bietet psychologische Hilfe durch eine kostenfreie Beratung an. Themen wie Schuldgefühle, Vereinsamung und Depressionen werden behandelt. Das vielfach ausgezeichnete Portal gibt wertvolle Tipps, Anleitungen und Downloads für eigene Entspannungsübungen.

Wenn Angehörige nicht selbst pflegen können

Es gibt viele Gründe, die es Angehörigen erschweren oder unmöglich machen, die Pflegebedürftigen selbst zu versorgen. Sei es die räumliche Entfernung, eine eigene Erkrankung oder die Unvereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege. In diesen Fällen können ambulante Pflegedienste in Anspruch genommen werden. Ist Ihnen dieser Betreuungsumfang zu gering, können Sie zusätzlich eine 24-Stunden-Pflege für zu Hause organisieren. So wissen Sie Ihren Angehörigen von einer Bezugsperson rund um die Uhr gut versorgt. Unsere Agentur help4seniors vermittelt seit 2006 professionelle Pflegekräfte aus Polen. Sie wohnen während der Betreuung im selben Haushalt und leisten neben ihren hauswirtschaftlichen und pflegenden Tätigkeiten vor allem auch einen wichtigen Beitrag gegen die Vereinsamung im Alter durch Übungen zur Mobilisierung, Gespräche, Spiele und Spaziergänge.

Autorin: Michaela Niclaus
Photo by JD Mason

Quellen und weiterführende Informationen:
Bundesministeriums für Gesundheit: Online-Ratgeber Pflege
Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend: Wege zur Pflege
Pflegenetzwerk
Blog Pflege durch Angehörige
Pflegekurse bei den Johannitern
Seminarreihe der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.
Linksammlung bundesweiter Initiativen für Angehörige

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